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Fassaden

Welche Fassadenfarbe ist die richtige? Silikat, Siliconharz, Acryl und Dispersion im Vergleich

Silikat, Siliconharz, Reinacrylat oder Dispersion? Fassadenfarben unterscheiden sich deutlich bei Bindemittel, Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit. Entscheidend ist, welches System zum vorhandenen Untergrund passt.

Fachlich aktualisiert am 21.8.2026

Wer eine Fassade neu beschichten möchte, steht schnell vor einer Vielzahl unterschiedlicher Produkte: Dispersionsfassadenfarbe, Acryl- oder Reinacrylatfarbe, Siliconharzfarbe, Silikatfarbe oder Dispersionssilikatfarbe.

Auf den ersten Blick versprechen viele Produkte ähnliche Eigenschaften: wetterbeständig, wasserabweisend, diffusionsoffen und langlebig.

Trotzdem sind die Beschichtungssysteme keineswegs identisch.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Welche Fassadenfarbe ist die beste?“

Sondern:

„Welche Fassadenfarbe passt zum vorhandenen Untergrund und zu den Anforderungen des Gebäudes?“

Denn selbst eine hochwertige Fassadenfarbe kann Probleme verursachen, wenn sie auf einem ungeeigneten oder nicht ausreichend vorbereiteten Untergrund eingesetzt wird.

Die Fassadenfarbe ist Teil eines Systems

Eine Fassadenbeschichtung besteht nicht nur aus dem sichtbaren Schlussanstrich.

Je nach vorhandenem Untergrund können beispielsweise erforderlich sein:

  • Reinigung,
  • Entfernung nicht tragfähiger Altbeschichtungen,
  • Behandlung vorhandener Algen- oder Pilzbeläge,
  • Putz- und Risssanierungen,
  • geeignete Grundierungen,
  • Zwischenbeschichtungen,
  • Schlussbeschichtungen.

Vor der Auswahl des Beschichtungsstoffes muss deshalb zunächst geklärt werden, welcher Untergrund vorhanden ist und in welchem Zustand er sich befindet.

Eine intakte mineralische Putzfassade stellt andere Anforderungen als eine mehrfach überarbeitete Bestandsfassade oder ein Wärmedämm-Verbundsystem.

Dispersionsfassadenfarben – der vielseitige Klassiker

Dispersionsfassadenfarben gehören zu den verbreiteten Beschichtungssystemen für Außenflächen.

Als Bindemittel werden Kunststoffdispersionen eingesetzt. Dadurch entstehen Beschichtungen mit guter Haftung und Witterungsbeständigkeit, die auf vielen geeigneten mineralischen Untergründen und tragfähigen Altbeschichtungen eingesetzt werden können.

Zu ihren typischen Eigenschaften gehören – abhängig vom jeweiligen Produkt:

  • gute Witterungsbeständigkeit,
  • gute Haftung,
  • einfache Verarbeitung,
  • große Farbtonauswahl,
  • gute Deckkraft,
  • vielseitige Einsatzmöglichkeiten.

Der Begriff Dispersionsfassadenfarbe allein sagt allerdings noch nicht alles über die Eigenschaften eines konkreten Produktes aus.

Entscheidend sind unter anderem Art und Anteil des verwendeten Bindemittels sowie die gesamte Rezeptur der Beschichtung.

Acryl- und Reinacrylat-Fassadenfarben

Acrylatdispersionen spielen bei hochwertigen Fassadenbeschichtungen eine wichtige Rolle.

Besonders Reinacrylat-Fassadenfarben verwenden entsprechende Acrylatpolymere als Bindemittelbasis und können sehr gute Eigenschaften hinsichtlich Witterungsbeständigkeit, Haftung und Farbtonbeständigkeit aufweisen.

Typische Eigenschaften hochwertiger Reinacrylatbeschichtungen können sein:

  • hohe Witterungsbeständigkeit,
  • gute Farbton- und Kreidungsbeständigkeit,
  • gute Haftung auf geeigneten Untergründen,
  • große Farbtonvielfalt,
  • widerstandsfähige Beschichtungsoberflächen.

Gerade wenn intensive oder bestimmte Farbtöne gewünscht werden, können hochwertige Acrylatsysteme interessante Möglichkeiten bieten.

Acrylfarbe und Dispersionsfarbe – ist das nicht dasselbe?

Die Begriffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig nebeneinander verwendet, obwohl sie sich technisch überschneiden können.

Auch eine Acrylatfarbe ist in der Regel eine Dispersionsbeschichtung.

„Dispersion“ beschreibt dabei das grundsätzliche Bindemittelsystem, während Begriffe wie Acrylat oder Reinacrylat genauer auf die verwendete Bindemittelbasis eingehen.

Deshalb sollte man eine Fassadenfarbe nicht allein anhand der Bezeichnung „Acryl“ oder „Dispersion“ beurteilen.

Entscheidend sind die konkreten technischen Eigenschaften des jeweiligen Produktes.

Siliconharzfassadenfarben – Wasser abweisen und Wasserdampf passieren lassen

Siliconharzfarben gehören heute zu den häufig eingesetzten hochwertigen Fassadenbeschichtungen.

Eine wesentliche Eigenschaft geeigneter Siliconharzsysteme ist die Kombination aus geringer Wasseraufnahme und guter Wasserdampfdurchlässigkeit.

Vereinfacht gesagt:

Schlagregen soll möglichst wenig Wasser in die Fassadenoberfläche eintragen, während Wasserdampf vergleichsweise gut durch den Beschichtungsaufbau transportiert werden kann.

Das macht Siliconharzfarben für zahlreiche mineralische Fassaden und geeignete Bestandsuntergründe interessant.

Typische Eigenschaften können sein:

  • geringe Wasseraufnahme,
  • gute Wasserdampfdurchlässigkeit,
  • hohe Witterungsbeständigkeit,
  • geringe Verschmutzungsneigung bei entsprechend formulierten Systemen,
  • vielseitige Einsatzmöglichkeiten auf geeigneten Untergründen.

Aber auch hier gilt: Nicht jede Siliconharzfarbe besitzt automatisch identische Eigenschaften.

Die technischen Kennwerte des konkreten Beschichtungssystems sind entscheidend.

Silikatfarben – mineralisches Beschichtungssystem

Silikatfarben unterscheiden sich grundsätzlich von klassischen Dispersionsbeschichtungen.

Das charakteristische Bindemittel ist Wasserglas. Auf geeigneten mineralischen Untergründen kann die Beschichtung durch Verkieselung eine Verbindung mit dem Untergrund eingehen.

Silikatfarben zeichnen sich insbesondere durch ihre mineralischen Eigenschaften und eine sehr hohe Wasserdampfdurchlässigkeit aus.

Sie eignen sich jedoch nicht beliebig für jeden vorhandenen Untergrund.

Besonders bei Bestandsfassaden muss geprüft werden, welche Altbeschichtungen vorhanden sind und ob der Untergrund für das vorgesehene Silikatsystem geeignet ist.

Reine Silikatfarbe und Dispersionssilikatfarbe sind nicht dasselbe

Im Sprachgebrauch werden beide häufig einfach als „Silikatfarbe“ bezeichnet.

Technisch sollte jedoch unterschieden werden.

Reine Silikatfarben basieren im Wesentlichen auf mineralischen Bestandteilen und Wasserglas und stellen besondere Anforderungen an Untergrund und Verarbeitung.

Dispersionssilikatfarben enthalten zusätzlich organische Bestandteile und verbinden Eigenschaften mineralischer Silikatsysteme mit einer praxisgerechteren Verarbeitung und einem erweiterten Einsatzbereich.

Deshalb sollte bei der Auswahl nicht nur auf das Wort „Silikat“ auf dem Gebinde geachtet werden.

Entscheidend ist, welches konkrete Beschichtungssystem vorliegt und für welchen Untergrund es vorgesehen ist.

Was bedeutet eigentlich „atmungsaktive Fassadenfarbe“?

Der Begriff „atmungsaktiv“ wird bei Farben häufig verwendet, ist technisch aber unscharf.

Eine Wand atmet nicht.

Bei Fassadenbeschichtungen sind vielmehr Eigenschaften wie Wasserdampfdurchlässigkeit und Wasseraufnahme relevant.

Eine Fassadenbeschichtung sollte je nach Bauweise und Untergrund beispielsweise ermöglichen, dass Wasserdampf ausreichend durch den Aufbau transportiert werden kann, gleichzeitig aber möglichst wenig flüssiges Wasser durch Schlagregen aufgenommen wird.

Diese beiden Eigenschaften müssen voneinander unterschieden werden.

Eine Beschichtung kann also eine geringe Wasseraufnahme besitzen und trotzdem eine gute Wasserdampfdurchlässigkeit aufweisen.

Gerade hochwertige Siliconharzsysteme sind auf diese Kombination ausgelegt.

Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit

Für die Beurteilung einer Fassadenbeschichtung sind technische Kennwerte wesentlich aussagekräftiger als allgemeine Werbeaussagen.

Zwei wichtige Eigenschaften sind:

Wasseraufnahme: Wie viel flüssiges Wasser kann über die beschichtete Oberfläche aufgenommen werden?

Wasserdampfdurchlässigkeit: Wie stark behindert die Beschichtung den Transport von Wasserdampf?

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom vorhandenen Fassadenaufbau ab.

Deshalb kann man nicht pauschal sagen, dass die Beschichtung mit der höchsten Wasserdampfdurchlässigkeit automatisch die beste Fassadenfarbe ist.

Welche Rolle spielt die vorhandene Altbeschichtung?

Bei Bestandsfassaden ist die vorhandene Beschichtung ein wesentlicher Faktor.

Bevor ein neuer Fassadenanstrich ausgeführt wird, sollte unter anderem geprüft werden:

  • Ist die vorhandene Beschichtung tragfähig?
  • Kreidet sie?
  • Gibt es Abplatzungen?
  • Sind Risse vorhanden?
  • Welcher Beschichtungstyp befindet sich auf der Fassade?
  • Wie saugfähig ist der Untergrund?
  • Sind Putzschäden vorhanden?
  • Gibt es Algen-, Pilz- oder andere Verschmutzungen?

Eine neue Fassadenfarbe kann nur so gut funktionieren, wie es der vorhandene Untergrund und der gesamte Beschichtungsaufbau zulassen.

Ein hochwertiger Schlussanstrich auf einer nicht tragfähigen Altbeschichtung bleibt ein mangelhafter Gesamtaufbau.

Welche Fassadenfarbe eignet sich für ein WDVS?

Bei Wärmedämm-Verbundsystemen müssen zusätzlich die Eigenschaften und Vorgaben des vorhandenen Systems berücksichtigt werden.

Nicht jede beliebige Fassadenfarbe sollte ohne Prüfung auf ein WDVS aufgebracht werden.

Neben der Verträglichkeit mit dem vorhandenen Putz- und Beschichtungssystem spielt auch der gewünschte Farbton eine Rolle.

Warum ist der Hellbezugswert wichtig?

Dunkle Fassadenflächen können sich bei Sonneneinstrahlung erheblich stärker erwärmen als helle Flächen.

Bei Wärmedämm-Verbundsystemen können dadurch hohe thermische Belastungen entstehen.

Deshalb geben Systemhersteller für ihre Fassadensysteme Vorgaben für zulässige Farbtöne beziehungsweise deren Hellbezugswert und teilweise weitere farbmetrische Kennwerte vor.

Moderne Pigment- und Beschichtungstechnologien können bei bestimmten Systemen auch dunklere Farbtöne ermöglichen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder dunkle Farbton auf jedem WDVS problemlos eingesetzt werden kann.

Die Vorgaben des jeweiligen Fassadensystems müssen berücksichtigt werden.

Algen und Pilze – löst die richtige Farbe das Problem?

Algen- und Pilzbewuchs an Fassaden hängt von zahlreichen Faktoren ab.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Feuchtigkeit,
  • Ausrichtung und Verschattung der Fassade,
  • konstruktiver Wetterschutz,
  • Vegetation in unmittelbarer Umgebung,
  • Temperaturverhalten der Fassadenoberfläche,
  • Abtrocknung nach Regen oder Tau.

Bestimmte Fassadenbeschichtungen können das Feuchteverhalten der Oberfläche günstig beeinflussen.

Darüber hinaus gibt es Beschichtungsstoffe mit zusätzlichen Wirkstoffen gegen Algen- und Pilzbefall.

Solche Systeme sind jedoch keine Garantie für eine dauerhaft bewuchsfreie Fassade.

Auch die baulichen und standortbedingten Ursachen sollten berücksichtigt werden.

Moderne Hybrid- und Spezialbeschichtungen

Die Einteilung in Dispersion, Reinacrylat, Siliconharz und Silikat hilft bei der grundsätzlichen Orientierung.

Moderne Fassadenbeschichtungen lassen sich jedoch nicht immer vollständig in eine einzige klassische Kategorie einordnen.

Hersteller kombinieren unterschiedliche Bindemittel, Füllstoffe, Pigmente und weitere Technologien, um bestimmte Eigenschaften gezielt zu erreichen.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • besonders geringe Verschmutzungsneigung,
  • optimiertes Feuchtemanagement,
  • erhöhte Farbtonbeständigkeit,
  • rissüberbrückende Eigenschaften,
  • spezielle Beschichtungen für kritische Untergründe.

Deshalb sollte letztlich nicht nur die Bindemittelbezeichnung, sondern das gesamte technische Eigenschaftsprofil des vorgesehenen Produktes betrachtet werden.

Welche Fassadenfarbe ist nun die beste?

Eine pauschal beste Fassadenfarbe gibt es nicht.

Dispersionsfassadenfarben bieten vielseitige Einsatzmöglichkeiten und sind auf zahlreichen geeigneten Untergründen einsetzbar.

Reinacrylat-Fassadenfarben können insbesondere durch hohe Witterungs- und Farbtonbeständigkeit sowie eine große Farbtonvielfalt überzeugen.

Siliconharzfassadenfarben verbinden bei geeigneten Produkten eine geringe Wasseraufnahme mit guter Wasserdampfdurchlässigkeit und sind deshalb für viele Fassaden interessant.

Silikat- und Dispersionssilikatfarben bieten mineralische Eigenschaften und eine hohe Wasserdampfdurchlässigkeit, stellen jedoch entsprechende Anforderungen an den vorhandenen Untergrund.

Welche Variante richtig ist, lässt sich deshalb erst nach Betrachtung der vorhandenen Fassade entscheiden.

Unser Fazit: Der Untergrund entscheidet mit

Die Auswahl einer Fassadenfarbe sollte nicht allein nach Preis, Produktname oder einer einzelnen beworbenen Eigenschaft erfolgen.

Entscheidend sind unter anderem:

  • vorhandener Putz,
  • bestehende Altbeschichtungen,
  • Zustand und Tragfähigkeit,
  • Feuchtebelastung,
  • vorhandene Risse,
  • gewünschter Farbton,
  • Fassadenkonstruktion,
  • gegebenenfalls vorhandenes Wärmedämm-Verbundsystem.

Erst wenn diese Faktoren bekannt sind, kann ein geeigneter Beschichtungsaufbau festgelegt werden.

Die Isensee & Walter GmbH führt Fassadenanstriche, Putz- und Risssanierungen sowie weitere Fassadenarbeiten aus. Wir beurteilen vorhandene Untergründe und stimmen Grundierung, Zwischen- und Schlussbeschichtung auf die jeweilige Fassade und die gewünschten Anforderungen ab.

Denn für eine langlebige Fassadenbeschichtung ist nicht entscheidend, welche Farbe auf dem Eimer als die „beste“ bezeichnet wird, sondern ob das gesamte Beschichtungssystem zum Gebäude passt.

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