Bei der Renovierung von Innenräumen stellt sich häufig die Frage: Wände direkt streichen oder vorher tapezieren?
Auf den ersten Blick scheint die Entscheidung hauptsächlich eine Frage der Optik zu sein. Tatsächlich spielen jedoch der vorhandene Untergrund, mögliche Rissbildungen, die gewünschte Oberfläche und die spätere Nutzung eine mindestens ebenso große Rolle.
Neben dem direkten Anstrich und klassischen Tapeten gibt es außerdem weitere Möglichkeiten. Malervlies kann beispielsweise eine glatte, moderne Oberfläche mit zusätzlicher Sicherheit gegenüber feinen Rissbildungen verbinden. Bei kritischen Untergründen kann auch ein in die Spachtelmasse eingebettetes Armierungsvlies Bestandteil eines geeigneten Oberflächenaufbaus sein.
Welche Lösung sinnvoll ist, sollte deshalb nicht pauschal, sondern anhand des jeweiligen Untergrundes entschieden werden.
Direkt streichen – die moderne, glatte Wandoberfläche
Direkt beschichtete Wandflächen werden häufig gewählt, wenn eine ruhige, möglichst gleichmäßige und moderne Oberfläche gewünscht ist.
Dabei wird die Wand nach entsprechender Untergrundvorbereitung unmittelbar mit dem vorgesehenen Beschichtungssystem gestrichen.
Der entscheidende Punkt ist die Untergrundvorbereitung.
Eine Beschichtung verdeckt Unebenheiten nicht automatisch. Gerade bei glatten Wandflächen können Fehlstellen, Spachtelansätze, Risse oder unterschiedliche Strukturen nach dem Anstrich weiterhin sichtbar sein.
Je höher die Anforderungen an die fertige Oberfläche sind, desto sorgfältiger muss deshalb der Untergrund vorbereitet werden.
Je nach vorhandenem Zustand können beispielsweise erforderlich sein:
- Entfernen loser oder nicht tragfähiger Altbeschichtungen,
- Ausbessern von Fehlstellen,
- Bearbeiten vorhandener Risse,
- Spachtelarbeiten,
- Schleifarbeiten,
- Grundieren des Untergrundes,
- gegebenenfalls vollflächiges Spachteln.
Erst anschließend erfolgt der eigentliche Beschichtungsaufbau.
Welche Vorteile hat eine direkt gestrichene Wand?
Direkt beschichtete Flächen ermöglichen eine sehr reduzierte und moderne Gestaltung.
Abhängig von Untergrund und Nutzung steht außerdem eine große Auswahl unterschiedlicher Beschichtungsstoffe zur Verfügung.
Direkt gestrichene Wände eignen sich besonders, wenn:
- eine glatte oder fein strukturierte Oberfläche gewünscht wird,
- der vorhandene Untergrund dafür geeignet ist oder entsprechend vorbereitet werden kann,
- keine sichtbare Tapetenstruktur gewünscht ist,
- eine moderne und zurückhaltende Wandgestaltung vorgesehen ist.
Allerdings kann die Herstellung eines hochwertigen Untergrundes erheblich aufwendiger sein als zunächst angenommen.
Ein wichtiger Punkt: Risse bei direkt gestrichenen Flächen
Eine vollkommen glatt gespachtelte und anschließend gestrichene Wand kann zunächst ein hervorragendes Erscheinungsbild haben.
Die Spachtelung verhindert jedoch nicht automatisch, dass sich spätere Bewegungen oder Spannungen des Untergrundes an der Oberfläche abzeichnen.
Feine Risse können beispielsweise entstehen oder erneut sichtbar werden bei:
- älteren Putzflächen,
- bereits vorhandenen und zuvor bearbeiteten Rissen,
- Übergängen zwischen unterschiedlichen Baustoffen,
- Mischmauerwerk,
- Übergängen zwischen Alt- und Neubauteilen,
- Spannungen oder Bewegungen innerhalb des Untergrundes.
Bei einer direkt beschichteten Oberfläche gibt es keine zusätzliche Vlieslage, welche geringe Spannungen innerhalb ihrer technischen Möglichkeiten verteilen oder überbrücken kann.
Entsteht im Untergrund erneut ein feiner Riss, kann dieser deshalb unmittelbar auf der fertigen Oberfläche sichtbar werden.
Gerade bei vollkommen glatten, einfarbigen Wandflächen fallen solche Haarrisse schnell auf.
Nicht jeder Riss ist ein Oberflächenproblem
Vorhandene Risse sollten deshalb nicht einfach zugespachtelt und anschließend überstrichen werden.
Zunächst muss beurteilt werden, um welche Art von Riss es sich handelt und ob weiterhin Bewegungen zu erwarten sind.
Ein oberflächlicher feiner Putzriss stellt eine andere Ausgangssituation dar als beispielsweise ein Riss aufgrund von Bauteilbewegungen oder konstruktiven Ursachen.
Das ist auch für die Wahl eines Vliessystems wichtig.
Malervlies und Armierungsvliese können innerhalb der jeweiligen Systemgrenzen Rissbildungen überbrücken oder Spannungen verteilen. Sie können jedoch keine konstruktiven Bewegungen eines Gebäudes beseitigen.
Bei auffälligen, breiten oder sich verändernden Rissen kann deshalb zunächst eine weitergehende Beurteilung der Ursache notwendig sein.
Malervlies – glatte Oberfläche mit zusätzlicher Sicherheit
Wer eine glatte und moderne Wandoberfläche möchte, muss nicht zwangsläufig direkt auf die gespachtelte Fläche streichen.
Eine Alternative ist Malervlies.
Dabei handelt es sich um eine glatte Wandbekleidung, die auf den entsprechend vorbereiteten Untergrund geklebt und anschließend beschichtet wird.
Optisch kann damit eine sehr ruhige, gleichmäßige Oberfläche hergestellt werden, ohne die typische Struktur beispielsweise einer Raufaser.
Der wesentliche Unterschied zum unmittelbaren Anstrich liegt im zusätzlichen Materialaufbau.
Das Vlies kann geringe Spannungen über eine größere Fläche verteilen und – abhängig vom eingesetzten Produkt und Untergrund – feine Rissbildungen überbrücken.
Dadurch lässt sich das Risiko reduzieren, dass sich feine Haarrisse unmittelbar auf der fertigen Oberfläche abzeichnen.
Wann kann Malervlies sinnvoll sein?
Malervlies kann insbesondere interessant sein bei:
- hochwertigen glatten Wandflächen,
- älteren Bestandswänden,
- Untergründen mit feinen Rissbildungen,
- unterschiedlichen Untergrundmaterialien,
- Flächen mit erhöhten optischen Anforderungen,
- Renovierungen, bei denen eine langfristig gut überarbeitbare Oberfläche gewünscht wird.
Es darf allerdings nicht der Eindruck entstehen, Malervlies würde jeden problematischen Untergrund sanieren.
Lose Putze, nicht tragfähige Altbeschichtungen, Feuchtigkeitsschäden oder konstruktive Risse müssen unabhängig davon fachgerecht behandelt werden.
Einspachtelbares Vlies und Armierungsvlies
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein geeignetes Armierungsvlies direkt in die Spachtelschicht einzubetten.
Das Vlies liegt dann nicht als klassische Wandbekleidung auf der fertigen Spachtelfläche, sondern wird Bestandteil des Spachtelaufbaus.
Dadurch können Spannungen innerhalb der Fläche verteilt und der Spachtelaufbau zusätzlich armiert werden.
Eine solche Ausführung kann beispielsweise bei:
- kritischen Altuntergründen,
- zahlreichen feinen Rissbildungen,
- unterschiedlichen Materialien innerhalb einer Wandfläche,
- instandgesetzten Putzflächen,
- großflächig überarbeiteten Bestandsuntergründen
sinnvoll sein.
Anschließend kann die Oberfläche entsprechend weiter gespachtelt, geschliffen, grundiert und beschichtet werden.
Welcher Aufbau geeignet ist, hängt vom vorhandenen Untergrund, der Art der vorhandenen Risse und dem eingesetzten Materialsystem ab.
Auch ein einspachtelbares Armierungsvlies ist keine Lösung für unbegrenzt arbeitende oder konstruktiv verursachte Risse.
Tapezieren – deutlich mehr als Raufaser
Neben Malervlies stehen zahlreiche klassische und moderne Wandbekleidungen zur Verfügung.
Dazu gehören beispielsweise:
- Raufasertapeten,
- Vliestapeten,
- Strukturtapeten,
- Mustertapeten,
- überstreichbare Wandbeläge,
- hochwertige dekorative Wandbekleidungen.
Damit lassen sich sowohl zurückhaltende als auch sehr individuelle Oberflächen herstellen.
Verzeiht eine Tapete einen schlechten Untergrund?
Nur eingeschränkt.
Strukturierte Wandbekleidungen können kleinere optische Unregelmäßigkeiten weniger deutlich erscheinen lassen als eine vollkommen glatte, direkt beschichtete Oberfläche.
Eine Tapete ersetzt jedoch keine fachgerechte Untergrundvorbereitung.
Vor dem Tapezieren muss der Untergrund unter anderem ausreichend:
- fest,
- trocken,
- sauber,
- tragfähig,
- eben und
- für die vorgesehene Wandbekleidung geeignet
sein.
Fehlstellen, lose Altbeschichtungen oder problematische Untergründe müssen daher auch vor Tapezierarbeiten entsprechend behandelt werden.
Raufaser – der bewährte Klassiker
Raufaser wird seit Jahrzehnten eingesetzt und ist weiterhin eine praktische Lösung für viele Wohn- und Nutzbereiche.
Ihre strukturierte Oberfläche lässt geringe optische Unregelmäßigkeiten weniger auffällig erscheinen als eine vollkommen glatte Wandfläche.
Außerdem kann Raufaser mehrfach überstrichen werden, solange Zustand und vorhandener Beschichtungsaufbau dies zulassen.
Wer dagegen eine vollkommen glatte und moderne Oberfläche erwartet, wird sich häufig eher für eine entsprechend vorbereitete direkte Beschichtung, Malervlies oder eine andere glatte Wandbekleidung entscheiden.
Vliestapeten – vielseitig und gestalterisch flexibel
Vliestapeten stehen in zahlreichen Oberflächen und Designs zur Verfügung.
Von zurückhaltenden Strukturen bis zu auffälligen Mustern lassen sich damit unterschiedlichste Raumgestaltungen umsetzen.
Besonders bei dekorativen Wandflächen bietet eine Tapete Gestaltungsmöglichkeiten, die sich mit einem normalen Farbanstrich nicht oder nur mit erheblich größerem Aufwand erreichen lassen.
Auch hier gilt jedoch: Eine hochwertige Wandbekleidung benötigt einen entsprechend vorbereiteten Untergrund.
Was ist günstiger – Streichen oder Tapezieren?
Diese Frage lässt sich nicht allein anhand eines Quadratmeterpreises beantworten.
Bei einer direkt gestrichenen Wand kann ein erheblicher Teil des Aufwandes in der Herstellung des notwendigen Untergrundes liegen.
Soll eine hochwertige, vollkommen glatte Fläche hergestellt werden, können umfangreiche Spachtel- und Schleifarbeiten erforderlich sein.
Bei einer tapezierten Fläche entstehen dagegen zusätzliche Material- und Arbeitskosten für die Wandbekleidung.
Malervlies verursacht ebenfalls einen zusätzlichen Arbeitsschritt gegenüber einer direkten Beschichtung, kann dafür aber bei geeigneten Untergründen technische und gestalterische Vorteile bieten.
Entscheidend sind daher unter anderem:
- Zustand der vorhandenen Wände,
- vorhandene oder zu erwartende Rissbildungen,
- gewünschte Oberflächenqualität,
- Art der Wandbekleidung oder Beschichtung,
- notwendige Vorarbeiten,
- Größe und Geometrie der Räume.
Eine bereits sehr gute und rissfreie Wandfläche direkt zu beschichten, ist eine andere Ausgangssituation als die Renovierung eines älteren und unterschiedlich aufgebauten Untergrundes.
Was ist bei älteren Gebäuden sinnvoll?
Gerade im Bestand sollte die Entscheidung erst nach einer Beurteilung der vorhandenen Wandflächen getroffen werden.
Mehrfach überarbeitete Putze, alte Tapetenreste, unterschiedliche Spachtelmassen, Altbeschichtungen, frühere Reparaturen oder vorhandene Risse können umfangreichere Vorarbeiten erforderlich machen.
Bei solchen Untergründen kann ein geeigneter Vliesaufbau gegenüber einer ausschließlich gespachtelten und gestrichenen Fläche zusätzliche Sicherheit gegen das sichtbare Durchschlagen feiner Rissbildungen bieten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass grundsätzlich jede alte Wand mit Vlies versehen werden muss.
Entscheidend ist der tatsächliche Zustand der Fläche.
Was lässt sich später leichter renovieren?
Auch die spätere Renovierbarkeit sollte bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Eine fachgerecht hergestellte und direkt beschichtete Wand kann erneut gestrichen werden, sofern die vorhandenen Beschichtungen weiterhin tragfähig und miteinander verträglich sind.
Malervlies und andere überstreichbare Wandbeläge können ebenfalls mehrfach beschichtet werden.
Bei klassischen Tapeten hängt die spätere Renovierung unter anderem davon ab, ob diese erneut beschichtet oder vollständig entfernt werden sollen.
Der Aufwand für eine spätere Entfernung wird wiederum durch Tapetenart, Untergrundvorbereitung, Klebstoff und vorhandene Beschichtungen beeinflusst.
Streichen, Malervlies oder Tapete – was ist nun besser?
Keine der Varianten ist grundsätzlich die beste Lösung.
Direkt streichen ist eine gute Möglichkeit für moderne, glatte Oberflächen, wenn ein geeigneter und ausreichend stabiler Untergrund vorhanden ist. Bei rissgefährdeten Flächen fehlt allerdings eine zusätzliche armierende bzw. rissüberbrückende Lage.
Malervlies ermöglicht ebenfalls eine glatte und moderne Oberfläche. Abhängig vom verwendeten System kann es zusätzlich feine Spannungen verteilen und das Risiko sichtbarer Haarrisse reduzieren.
Einspachtelbares Armierungsvlies kann bei kritischen Untergründen Bestandteil eines abgestimmten Spachtel- und Beschichtungsaufbaus sein und Spannungen innerhalb der Fläche verteilen.
Raufaser und andere strukturierte Wandbekleidungen sind robuste und bewährte Lösungen, wenn eine strukturierte Oberfläche gewünscht wird und kleinere optische Unregelmäßigkeiten weniger auffallen sollen.
Dekorative Vlies- und Mustertapeten bieten dagegen Gestaltungsmöglichkeiten, die mit einem einfachen Farbanstrich nicht erreicht werden können.
Unser Fazit: Nicht nur die fertige Oberfläche betrachten
Ob eine Wand gestrichen, mit Malervlies versehen oder klassisch tapeziert werden sollte, entscheidet sich nicht erst bei der Auswahl von Farbe oder Tapete.
Der vorhandene Untergrund ist die Grundlage für die Entscheidung.
Bei einer neuen, stabilen und einwandfreien Fläche kann ein direkter Beschichtungsaufbau vollkommen sinnvoll sein. Bei älteren oder rissgefährdeten Untergründen kann dagegen ein geeignetes Maler- oder Armierungsvlies zusätzliche Sicherheit bieten.
Vorhandene Schäden und auffällige Risse müssen jedoch unabhängig vom gewählten Oberflächensystem zunächst beurteilt und gegebenenfalls fachgerecht instand gesetzt werden.
Die Isensee & Walter GmbH führt Maler-, Tapezier- und Spachtelarbeiten im Innenbereich aus. Wir beurteilen vorhandene Untergründe und stimmen die notwendigen Vorarbeiten sowie den geeigneten Beschichtungs- oder Vliesaufbau auf das jeweilige Objekt und das gewünschte Ergebnis ab.
So entsteht nicht lediglich eine neu gestrichene oder tapezierte Wand, sondern ein auf Untergrund, Nutzung und gewünschte Oberfläche abgestimmter Aufbau.
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