Bei einem neuen Bodenbelag fällt die Entscheidung häufig zuerst zwischen Vinyl, Linoleum, PVC, Teppich oder einem anderen Belag. Farbe, Dekor, Nutzungsklasse und Preis stehen dabei im Vordergrund.
Ein wesentlicher Teil eines fachgerecht ausgeführten Bodens ist später jedoch überhaupt nicht mehr sichtbar:
der vorbereitete Untergrund.
Unebenheiten, nicht ausreichend feste Bereiche, Feuchtigkeit, alte Klebstoffreste oder ein ungeeigneter Spachtelaufbau können dazu führen, dass selbst ein hochwertiger Bodenbelag später Schäden zeigt.
Deshalb gilt:
Ein Bodenbelag ist langfristig nur so gut wie der Untergrund, auf dem er verlegt wurde.
Warum muss der Untergrund vor der Verlegung geprüft werden?
Bevor ein Bodenbelag verlegt wird, muss zunächst festgestellt werden, welcher Untergrund vorhanden ist und ob dieser für die geplante Verlegung geeignet ist.
Je nach Objekt können beispielsweise vorhanden sein:
- Zementestrich,
- Calciumsulfatestrich,
- Beton,
- Trockenestrich,
- vorhandene Spachtelschichten,
- alte Nutzböden,
- Holz- oder Holzwerkstoffuntergründe,
- Altuntergründe mit Klebstoff- und Belagsresten.
Diese Untergründe besitzen unterschiedliche Eigenschaften und benötigen entsprechend unterschiedliche Vorbereitungen.
Eine universelle Grundierung oder Spachtelmasse für jeden Untergrund gibt es deshalb nicht.
Welche Eigenschaften muss ein Verlegeuntergrund haben?
Welche Anforderungen gelten, hängt vom vorgesehenen Bodenbelag und Verlegesystem ab.
Grundsätzlich muss ein geeigneter Verlegeuntergrund unter anderem ausreichend:
- trocken,
- fest,
- tragfähig,
- sauber,
- eben,
- frei von haftungsmindernden Stoffen
sein.
Zusätzlich müssen beispielsweise vorhandene Risse, Fugen und Übergänge beurteilt werden.
Erst danach lässt sich festlegen, welche weiteren Arbeitsschritte notwendig sind.
Ebenheit – kleine Unebenheiten können später sichtbar werden
Besonders bei dünnen elastischen Bodenbelägen spielt die Ebenheit des Untergrundes eine wichtige Rolle.
Kleine Vertiefungen, Kellenschläge, Fugen oder Übergänge können sich später auf der fertigen Oberfläche abzeichnen.
Das gilt insbesondere für:
- Vinyl- und Designbeläge,
- PVC-Beläge,
- Linoleum,
- andere dünne elastische Beläge.
Bei seitlichem Lichteinfall können selbst relativ geringe Unebenheiten optisch deutlich wahrnehmbar werden.
Eine fachgerechte Spachtelung dient deshalb nicht nur dazu, offensichtliche Löcher zu schließen.
Sie schafft einen gleichmäßigen und definierten Verlegeuntergrund.
Feuchtigkeit und Belegreife
Bevor ein feuchtigkeitsempfindlicher Bodenaufbau hergestellt wird, muss beurteilt werden, ob der vorhandene Untergrund ausreichend trocken beziehungsweise belegreif ist.
Das ist besonders bei neuen Estrichen, aber auch bei Bestandskonstruktionen mit möglicher Feuchtebelastung relevant.
Wird ein Boden zu früh auf einem noch nicht ausreichend trockenen Untergrund verlegt, können erhebliche Schäden entstehen.
Mögliche Folgen sind beispielsweise:
- Ablösungen,
- Blasenbildung,
- Beeinträchtigung von Klebstoffen,
- Verformungen des Bodenbelags,
- Schäden innerhalb des Bodenaufbaus.
Die zulässige Feuchtigkeit lässt sich dabei nicht mit einem einzigen pauschalen Wert für alle Böden beantworten.
Sie hängt unter anderem von Estrichart, Bodenbelag, Klebstoffsystem und gegebenenfalls vorhandener Fußbodenheizung ab.
Wie wird die Feuchtigkeit geprüft?
Für die fachgerechte Beurteilung der Belegreife kommen geeignete Messverfahren zum Einsatz.
Je nach Untergrund und Situation können orientierende Messungen zunächst Hinweise geben.
Für die eigentliche Beurteilung müssen jedoch die für den jeweiligen Bodenaufbau vorgesehenen Verfahren und Grenzwerte berücksichtigt werden.
Gerade bei Estrichen sollte deshalb nicht allein nach dem Motto gearbeitet werden:
„Der Estrich liegt schon lange genug – der wird trocken sein.“
Alter und optischer Eindruck ersetzen keine fachgerechte Beurteilung.
Warum alte Bodenbeläge nicht einfach überdeckt werden sollten
Bei Renovierungen ist häufig bereits ein Bodenbelag vorhanden.
Grundsätzlich kann es Systeme geben, bei denen ein neuer Belag auf einem vorhandenen Untergrund aufgebaut werden kann. Daraus sollte jedoch keine allgemeine Regel gemacht werden.
Zunächst muss geprüft werden:
- Welcher Altbelag ist vorhanden?
- Ist er ausreichend fest mit dem Untergrund verbunden?
- Ist die Fläche eben?
- Gibt es Hohlstellen oder lose Bereiche?
- Welche Materialien befinden sich darunter?
- Ist der vorhandene Aufbau mit dem neuen System verträglich?
- Welche zusätzliche Aufbauhöhe entsteht?
Gerade bei älteren Gebäuden kann außerdem unklar sein, welche Materialien bei früheren Renovierungen eingesetzt wurden.
Alte Klebstoffreste – ein kritischer Untergrund
Nach dem Entfernen eines alten Bodenbelags bleiben häufig Klebstoff- oder Spachtelreste zurück.
Diese sollten nicht automatisch als geeigneter Untergrund für den neuen Boden betrachtet werden.
Alte Klebstoffschichten können beispielsweise:
- nicht mehr ausreichend fest sein,
- wasserlösliche Bestandteile enthalten,
- auf neue Grundierungen oder Spachtelmassen reagieren,
- die Haftung des neuen Aufbaus beeinträchtigen.
Deshalb muss entschieden werden, ob vorhandene Reste ausreichend tragfähig sind und weiter überarbeitet werden können oder ob eine weitergehende mechanische Entfernung erforderlich ist.
Mechanische Untergrundvorbereitung
Je nach Zustand reicht Kehren oder Absaugen allein nicht aus.
Untergründe können beispielsweise durch:
- Schleifen,
- Fräsen,
- Kugelstrahlen oder
- andere geeignete mechanische Verfahren
vorbereitet werden.
Welches Verfahren erforderlich ist, hängt von Untergrund, Fläche und vorhandenen Rückständen ab.
Ziel ist nicht, grundsätzlich möglichst viel Material abzutragen.
Es geht darum, einen ausreichend festen, sauberen und für den weiteren Aufbau geeigneten Untergrund herzustellen.
Risse im Estrich – einfach überspachteln?
Nein.
Vorhandene Risse sollten vor einer flächigen Spachtelung beurteilt werden.
Ein Riss verschwindet nicht technisch dadurch, dass Spachtelmasse darüber verteilt wird.
Je nach Art des Estrichs, Rissursache und vorgesehenem Bodenaufbau kann eine fachgerechte Risssanierung erforderlich sein.
Dabei können beispielsweise geeignete Reaktionsharzsysteme und – abhängig vom Schadensbild – zusätzliche Maßnahmen eingesetzt werden.
Entscheidend ist, dass der Riss vor dem weiteren Bodenaufbau entsprechend behandelt wird.
Bewegungsfugen dürfen nicht einfach geschlossen werden
Nicht jede Fuge in einem Estrich ist ein Schaden.
Bauwerks-, Bewegungs- und andere erforderliche Fugen erfüllen eine technische Funktion.
Solche Fugen dürfen nicht einfach mit Spachtelmasse geschlossen und anschließend mit einem Bodenbelag überdeckt werden, wenn der vorgesehene Aufbau dies nicht zulässt.
Sie müssen entsprechend ihrer Funktion im weiteren Bodenaufbau berücksichtigt werden.
Das unterscheidet sie beispielsweise von bestimmten Scheinfugen oder sanierten Estrichrissen.
Warum wird grundiert?
Die Grundierung ist ein wichtiger Bestandteil vieler Bodenaufbauten.
Sie kann – abhängig vom eingesetzten System – unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Regulierung der Saugfähigkeit,
- Verbesserung der Haftung,
- Bindung oberflächlicher Reststäube,
- Verhinderung eines zu schnellen Wasserentzugs aus nachfolgenden Spachtelmassen,
- Trennung bzw. Vorbereitung bestimmter Untergründe für den weiteren Aufbau.
Welche Grundierung verwendet wird, hängt vom vorhandenen Untergrund und der anschließend eingesetzten Spachtelmasse ab.
Mehr Grundierung ist dabei nicht automatisch besser.
Das Produkt muss zum Untergrund und zum gesamten vorgesehenen System passen.
Warum wird der Boden gespachtelt?
Eine Bodenspachtelmasse dient dazu, einen für die spätere Verlegung geeigneten Untergrund herzustellen.
Je nach Produkt und Anwendung können damit beispielsweise:
- Unebenheiten ausgeglichen,
- Vertiefungen geschlossen,
- unterschiedliche Oberflächen angeglichen,
- ein gleichmäßig saugender Verlegeuntergrund hergestellt,
- definierte Voraussetzungen für die Verklebung geschaffen
werden.
Gerade unter vollflächig verklebten Design-, PVC- oder Linoleumbelägen ist eine entsprechend hochwertige Untergrundoberfläche entscheidend.
Spachtelmasse ist nicht gleich Spachtelmasse
Je nach Untergrund, Schichtdicke und späterer Nutzung kommen unterschiedliche Spachtel- und Ausgleichsmassen zum Einsatz.
Zu berücksichtigen sind beispielsweise:
- Untergrundart,
- erforderliche Schichtdicke,
- Belastung,
- vorgesehener Bodenbelag,
- vorhandene Fußbodenheizung,
- erforderliche Festigkeit,
- Trocknungsbedingungen.
Eine Spachtelmasse sollte deshalb nicht allein danach ausgewählt werden, wie schnell sie trocknet oder welchen Quadratmeterpreis das Material hat.
Sie muss Bestandteil eines aufeinander abgestimmten Bodenaufbaus sein.
Warum wird nach dem Spachteln manchmal geschliffen?
Auch eine fachgerecht aufgebrachte Spachtelmasse kann je nach Material und Verarbeitung kleinere Grate, Ansätze oder Oberflächenunregelmäßigkeiten aufweisen.
Vor der Verlegung kann deshalb eine weitere Bearbeitung notwendig sein.
Die Fläche wird entsprechend geprüft und bei Bedarf geschliffen.
Anschließend muss der entstehende Staub sorgfältig entfernt werden.
Bei dünnen und glatten Bodenbelägen ist eine sorgfältige Endvorbereitung besonders wichtig, weil sich Unregelmäßigkeiten später durch den Belag abzeichnen können.
Muss auch unter Klickboden gespachtelt werden?
Nicht grundsätzlich – aber möglicherweise.
Ein häufiger Irrtum lautet:
„Bei Klickboden muss der Untergrund nicht so genau vorbereitet werden.“
Auch ein schwimmend verlegter Boden benötigt einen ausreichend ebenen und stabilen Untergrund.
Ist die Fläche zu uneben, können sich Elemente beim Begehen bewegen und die Klickverbindungen stärker belastet werden.
Je nach Zustand des vorhandenen Bodens kann deshalb auch unter einem Klicksystem eine Ausgleichs- oder Spachtelung notwendig sein.
Maßgeblich sind die Anforderungen des jeweiligen Bodenbelags.
Mehr dazu: Klebevinyl oder Klickvinyl – die Unterschiede im Überblick.
Besondere Anforderungen bei Fußbodenheizung
Bei beheizten Fußbodenkonstruktionen muss der gesamte Bodenaufbau für die vorgesehene Nutzung geeignet sein.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
- Estrichart,
- Zustand und Belegreife,
- Heizsystem,
- vorgesehener Bodenbelag,
- Klebstoff,
- Grundierung,
- Spachtelmasse.
Bei neu hergestellten beheizten Estrichen spielen außerdem die entsprechenden Aufheiz- und Prüfprozesse eine Rolle.
Die Tatsache, dass ein einzelnes Produkt als „für Fußbodenheizung geeignet“ bezeichnet wird, ersetzt deshalb nicht die Betrachtung des gesamten Bodenaufbaus.
Was passiert bei mangelhafter Untergrundvorbereitung?
Fehler im Untergrund können sich erst zeigen, wenn der neue Boden längst verlegt ist.
Mögliche Folgen sind:
- sichtbare Unebenheiten,
- Ablösungen,
- Hohlstellen,
- Fugenbildungen,
- Blasen,
- durchscheinende Altstrukturen,
- beschädigte Klickverbindungen,
- Risse oder Abzeichnungen auf der Oberfläche.
Besonders ärgerlich ist dabei:
Der eigentliche Bodenbelag kann technisch vollkommen in Ordnung sein.
Die Ursache des Schadens liegt dann unterhalb des sichtbaren Belags.
Warum sieht der Kunde einen großen Teil der Arbeit später nicht?
Nach Abschluss der Arbeiten sieht man einen fertigen Vinyl-, Linoleum-, PVC- oder Teppichboden.
Nicht mehr sichtbar sind dagegen möglicherweise:
- Entfernung des Altbelags,
- mechanische Reinigung und Vorbereitung,
- Risssanierung,
- Grundierung,
- Spachtelung,
- Schleifen und Absaugen,
- weitere vorbereitende Arbeitsschritte.
Gerade bei Renovierungen kann die Untergrundvorbereitung deshalb einen erheblichen Anteil der gesamten Bodenbelagsarbeiten ausmachen.
Diese Arbeiten sind kein unnötiger Zusatz zum eigentlichen Boden.
Sie sind Bestandteil eines fachgerechten Bodenaufbaus.
Kann man bei der Untergrundvorbereitung sparen?
Nicht jede Fläche benötigt denselben Aufwand.
Ein bereits geeigneter Untergrund muss selbstverständlich nicht unnötig umfangreich bearbeitet werden.
Problematisch wird es jedoch, notwendige Arbeitsschritte wegzulassen, um ausschließlich den kurzfristigen Preis zu reduzieren.
Wenn dadurch später der Bodenbelag beschädigt wird oder sich vom Untergrund löst, können die Kosten einer Sanierung erheblich höher sein als die ursprünglich eingesparte Untergrundvorbereitung.
Deshalb sollte der notwendige Aufbau nach dem tatsächlichen Zustand des Untergrundes festgelegt werden.
Unser Fazit: Der fertige Boden beginnt mit der Untergrundprüfung
Ein hochwertiger Bodenbelag allein garantiert noch keinen hochwertigen Boden.
Erst das Zusammenspiel aus:
- geeignetem Untergrund,
- fachgerechter Vorbereitung,
- passender Grundierung,
- geeigneter Spachtelmasse,
- Klebstoff bzw. Verlegesystem und
- dem vorgesehenen Bodenbelag
ergibt einen funktionierenden Gesamtaufbau.
Die Isensee & Walter GmbH führt Bodenbelagsarbeiten einschließlich der erforderlichen Untergrundvorbereitung aus. Vor der Verlegung beurteilen wir vorhandene Untergründe und stimmen die notwendigen Vorarbeiten auf Bodenbelag, Nutzung und bauliche Gegebenheiten ab.
Denn die Qualität eines fertigen Bodens entscheidet sich häufig bereits bei den Arbeiten, die später niemand mehr sieht.
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